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Schlager

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Jeder kennt Schlagermusik. Der „Deutsche Schlager“ ist aber mehr als nur Musik, die in der ehemaligen ZDF-Hitparade gespielt wurde. Er hat seine Wurzeln Anfang des 20. Jahrhunderts und bereits in den 1920er-Jahren eine rasante Entwicklung genommen, die sich speziell in den 1960er-Jahren noch einmal beschleunigte.

Der Begriff Schlager

Es ist überaus kompliziert, den Begriff Schlager oder Schlagermusik zu definieren. Er lehnt sich an das englische Wort Hit an, das für einen kommerziellen Erfolg steht bzw. für ein Lied, das sehr bekannt ist. Während der Begriff Schlager zwar grundsätzlich für einen Hit stehen kann, ist dagegen Schlagermusik weiter gefasst.

Der Schlager einen ganz eigenen Charakter, der kaum exakt einzugrenzen ist, da es musikalisch fließende Übergänge in die Volksmusik und volkstümliche Musik einerseits sowie in den Jazz, Pop und Rock andererseits gibt. Grundsätzlich gilt aber, dass er deutsch gesungen ist, häufig wenig tief greifende Texte enthält und eine Melodie, die einfach und wiedererkennbar ist. Ein guter Schlager ist in diesem Sinne ein Lied, das nach dem ersten Hören im Ohr bleibt und mitgesungen oder mitgeklatscht werden kann.

Entstehung und Geschichte

Obwohl für viele Fans der Schlager erst Ende der 1950er-Jahre richtig interessant wird, hat er frühere Wurzeln. Diese liegen in Operetten wie „Die Fledermaus“ von Johann Strauß. Daran angelehnt war Paul Lincke einer der ersten deutschen Sänger, die dem Schlager zugerechnet werden können. In der Folge entwickelte sich ein deutschsprachiges Liedgut, das sich an eine breite Masse von Hörern richtete und schließlich in den 1920er-Jahren zu einer ersten großen Blüte kam. In die Wurzeln der Operette mischten sich amerikanische Musikstile wie Jazz und Dixieland sowie Swing und Foxtrott. Otto Reuter, Marlene Dietrich und die Comedian Harmonists waren einige der heute unvergessenen Größen dieser Zeit. Wenig später kamen unter anderen Zarah Leander, Hans Albers und Heinz Rühmann hinzu.

Während des Zweiten Weltkrieges hatte die nationalsozialistische Herrschaft die deutsche Musik teilweise für ihre Zwecke instrumentalisiert, einige Titel verboten und bekannte Interpreten für sich gewinnen können. Ziel: Zerstreuung und Durchhalteparolen. Erst nach dem Krieg entwickelte sich die Schlagermusik wieder ungelenkt und machte durch Einflüsse des französischen Chansons, britischer und amerikanischer Musik deutliche Sprünge. Die Musik wurde tanzbarer, adaptierte Swing, Jazz und Rock ’n‘ Roll. Die 1950er-Jahre brachten zum Beispiel Lieder von Peter Kraus, Peter Alexander, Bruce Low, Hazy Osterwald Sextett und Margot Eskens. In den 1960er-Jahren vermischte sich die Musik stark mit der aufkommenden Pop- und Beatmusik. Mit Gitte Hänning, Siv Malmkvist, Bill Ramsey und Wencke Myhre kamen auch ausländische Stars zu großen Erfolgen.

War die Schlagermusik bis hierhin eine Musik für jedermann, spaltete sich die gesellschaftliche Entwicklung in den 1960er-Jahren deutlich in „links“ und „bürgerlich“ auf. Verallgemeinernd: Der Schlager blieb eine Musik der konservativen und bürgerlichen Menschen, während Pop und Rock von der rebellischen, meist links eingestellten Jugend gehört wurde. Nur wenige Interpreten schafften den Spagat zwischen den Lagern. Dazu gehört Drafi Deutscher, der mit „Mamor, Stein und Eisen bricht“ einen unvergessenen Top-Hit landete.

In den folgenden Jahrzehnten durchlebte die Schlagermusik immer wieder Wandlungen, die sich an aufkommenden musikalischen Einflüssen ausrichtete. Dennoch blieb der Schlager ab den 1970er-Jahren relativ klar umrissen als deutsches Lied abseits von Pop- und Rockmusik, aber ohne hohe Ansprüche wie bei Jazz und ähnlichen Stilen. Künstler wie Roy Black, Michael Holm, Rex Gildo, Roland Kaiser, Marianne Rosenberg, Howard Carpendale, Jürgen Drews oder Katja Ebstein sind Aushängeschilder der Schlagermusik. In den 1980er-Jahren gab es ein kurzes Aufleben der ehemals undefinierbaren Grenzen, als die Linie zwischen Schlagermusik und Neuer Deutscher Welle nicht immer klar zu ziehen war. Die Entwicklung war aber nicht neu, denn auch Interpreten wie Udo Jürgens oder Max Raabe stehen nicht zuletzt aufgrund ihres künstlerischen Anspruchs immer etwas abseits des Schlagers, obwohl sie für Fans ohne Zweifel dieser Musikrichtung zuzuordnen sind.

Heute hat der deutsche Schlager eine breite Vielfalt erreicht. Mallorca-Partyhits wie von Micki Krause, Anlehnungen an volkstümliche Musik wie von Helene Fischer oder Andrea Berg, tanzbare Lieder wie von DJ Ötzi sowie parodistische Interpretationen wie von Dieter Thomas Kuhn zeigen die Bandbreite des Genres. Mit Bad-Taste-Partys und Schlager-Moves hat die Musik auch wieder die junge Genration für sich gewinnen können. Der Schlager ist auch nach über 100 Jahren über Bevölkerungsgruppen hinweg beliebt und erfolgreich.

Instrumentierung und Besonderheit

Der Schlager mischt viele Genres und garniert das Ergebnis mit deutschen Texten. Dabei adaptiert er in vielen Fällen globale Musiktrends und lässt sie in ein klassisches Schema einfließen. Dieses besteht aus einer eingängigen Melodie, häufig einem Rhythmus zum Mitklatschen oder alternativ einer gefühlsbetonten Ballade.

Die Instrumentierung der Schlagermusik ist äußerst heterogen. Häufig wird im Studio die Komposition mit einer Samplermaschine umgesetzt, in einigen Fällen spielen Musiker die Lieder ein. Im Vordergrund stehen dennoch immer der Interpret und sein Gesang. Es gibt nur wenig Bands im Schlagerbereich, meistens handelt es sich um Einzelkünstler, die auf Mithilfe eines Produzenten und von Studiomusikern angewiesen sind. Viele Schlagerstars sind reine Interpreten, die ihre Lieder weder selbst texten noch komponieren.

An den deutschen Schlager lehnen sich weitere Musikstile an, wobei es teilweise Schnittmengen gibt:

  • volkstümlicher Schlager
  • Volksmusik
  • Neue Deutsche Welle
  • Deutschrock
  • deutsche Country- und Westernmusik

Bekannte Künstler und Lieder des Schlagers

So heterogen der Schlager als Musikrichtung ist, so viele Interpreten, Stars und Hits hat er hervorgebracht. Zu den bekanntesten Interpreten mit Hits gehören unter anderem:

  • Comedian Harmonists („Mein kleiner grüner Kaktus“),
  • Zarah Leander („Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“),
  • Lale Andersen („Lili Marleen“),
  • Catarina Valente („Ganz Paris träumt von der Liebe“),
  • Freddy Quinn („Junge komm bald wieder“),
  • Gitte Hänning („Ich will ’nen Cowboy als Mann“),
  • Drafi Deutscher („Marmor, Stein und Eisen bricht“),
  • Nana Mouskouri  („Weiße Rosen aus Athen“),
  • Michael Holm (‚Tränen lügen nicht“),
  • Roy Black („Ganz in Weiß“),
  • Roland Kaiser („Santa Maria“),
  • Marianne Rosenberg („Er gehört zu mir“),
  • Gunter Gabriel („Hey, Boss“),
  • Jürgen Drews („Ein Bett im Kornfeld“),
  • Roberto Blanco („Ein bisschen Spaß muss sein“),
  • Howard Carpendale („Ti amo“),
  • Udo Jürgens („Griechischer Wein“),
  • Max Raabe („Kein Schwein ruft mich an“),
  • DJ Ötzi („Ein Stern, der deinen Namen trägt“),
  • Helene Fischer („Phänomen“)

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