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Operette

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Die Operette ist eine Aufführungsform, die eng mit der Klassik verknüpft ist. Sie gilt als kleine Oper, da sie ursprünglich in der Regel nur aus einem Akt besteht und deutlich eingängiger und offener als die Kunstform der Oper ist. Obwohl die Operette immer wieder tot geglaubt wurde, erfreut sie sich heute großer Beliebtheit und hat eine überraschend enge Verwandtschaft zum Musical.

Der Begriff Operette

Die Bezeichnung Operette stammt aus dem Italienischen und heißt wörtlich übersetzt „kleine Oper“. Die Verniedlichungsform ist durch die im Vergleich zur Oper kürzere Aufführungszeit und die „komische Handlung“ entstanden. Denn während eine Oper tragisch ist und über mehrere Akte geht, ist die Operette ursprünglich durchaus lustig und bestand zunächst meistens nur aus einem Akt.

Der Begriff Operette steht außerdem für eine Kunstform, die weniger anspruchsvoll als eine Oper ist. Das liegt zum größten Teil an der Dialogform und am Gesang, der eine weniger gut ausgebildete Stimme erfordert. Die Handlung ist zudem meistens trivial oder sogar anzüglich, was in einer Oper verpönt ist. Musikalisch eingängiger, tanzbarer und zum Mitsingen und in der Handlung stringenter spricht die Oper nicht (nur) das Klassikpublikum, sondern eine breite Bevölkerungsgruppe an.

Entstehung und Geschichte

Die Operette ist eng verwand mit der komischen Oper, die als ihr wichtigster Vorläufer gelten kann. Entstanden ist die Kunstform im 18. Jahrhundert. Auf Basis von Rezitationen, eingängiger Musik und Aufführungen von Wandergruppen entstand eine Form der Bühnenmusik, die mit Schauspielern und Sängern eine Art Oper aufführte, dabei aber kurz und überwiegend lustig blieb.

Der Begriff Operette erhielt eine neue Bedeutung im Paris der 1850er-Jahre. Komponisten wie Herve und Offenbach waren es, die auf Basis der komischen Oper neue Stücke aufführten und dabei eine parodistische und witzige Form wählten. Besonders Jacques Offenbach beeinflusste die Operette als Kunstform stark und spickte sie mit freizügigen und grotesken Aufführungen.

Mit seiner Form der Operette beeinflusste Offenbach die Wiener Kollegen. In der „Klassikhauptstadt“ entstand eine lebhafte Operettenszene, in der unter anderem Johann Strauss und Carl Zeller die wichtigsten Komponisten waren. Im Unterschied zu der Pariser Form rückten ihre Operetten aber näher an die Oper und an die großbürgerlichen Klassikaufführungen. Damit öffneten die Wiener Komponisten die Operette wieder dem konservativen Bürgertum. Die Musikform erlebte eine Hochzeit, die als Goldene Operetten-Ära bezeichnet wird. Höhepunkte waren „Der Zigeunerbaron“ von Johann Strauss (Sohn) und zum Ausklang der Epoche „Die Lustige Wittwe“ von Franz Lehar.

Es folgte die silberne Operetten-Ära zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die unter anderem in Berlin (zum Beispiel durch Paul Lincke) zu einem neuen Höhenflug führte. Insgesamt verblasste die Operette in der Öffentlichkeit aber immer stärker. Sie wurde von Ton- und Filmaufnahmen regelrecht verdrängt. Dennoch lebte sie als Musikform weiter und war zugleich Wegbereiter für andere Kunstformen wie Musical oder Filme, deren Handlung gesungen und getanzt wurde. Auf den Bühnen steht die Operette zwar im Schatten der Oper, aber immer wieder gibt es Aufführungen einige Klassiker, die viele Menschen begeistern. Daraus resultieren sogar sehr erfolgreiche Operettenfstivals wie die Mörbischer Seefestspiele am Neusiedlersee in Österreich.

Instrumentierung und Besonderheit

Die Operette wird auf einer Bühne eines Opernhauses oder Musiktheaters aufgeführt. Auf der Bühne spielen Darsteller die Handlung, die Dialoge werden gesungen, teilweise auch gesprochen. Musikalisch begleitet in der Regel ein volles Orchester das Geschehen, das wie bei der Oper im Orchestergraben vor der Bühne sitzt. Die Handlung der Operette ist in Abgrenzung zur Oper überwiegend lustig und volksnäher als die einer Oper. Obwohl sie als kleine Oper gilt, ist die Handlung dieser Stücke fast immer in mehreren Akten unterteilt. Modernere Stücke haben fließende Übergänge zum Musical.

Bekannte Künstler und Lieder der Operette

Zu den bekanntesten Komponisten und Werken der Operetten gehören unter anderem:

  • Ralph Benatzky: „Im weißen Rössl“,
  • Leo Fall: „Madame Pompadour“,
  • Fritz Kreisler: „Sissy“,
  • Franz Lehar: „Paganini“, „Die lustige Witwe“,
  • Paul Lincke: „Frau Luna“,
  • Jacques Offenbach: „Verlobung bei Laternenschein“, „Orpheus in der Unterwelt“,
  • Johann Strauss (Sohn): „Die Fledermaus“, „Wiener Blut“, „Der Zigeunerbaron“,
  • Carl Zeller: „Der Vogelhändler“,
  • Carl Michael Ziehrer: „Die Landstreicher“

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