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Kinnor / Davidsharfe

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Der Kinnor ist ein in ganz Vorderasien verbreitetes tragbares Saiteninstrument. Er ist bereits seit 2500 v. Chr. bekannt. Bereits das Alte Testament erwähnt den Kinnor 42 Mal. Auch König David soll bereits auf dem „Saitenspiel mit zehn Saiten“ gespielt haben. David soll mit seiner Kinnor König Saul im Thronsaal vor Melancholie bewahrt haben. „Sein Klang mache die Seele sanft“, hieß es. Daher trägt das Instrument auch den Namen „Davidsharfe“. Die Juden spielten den Kinnor beim musikalischen Vortrag von Psalmen im Jerusalemer Tempel und nutzten ihn bei ihren Klageliedern.

Wie ist der Kinnor aufgebaut?

Auf einem kastenförmigen Schallkörper aus hochwertigen Hölzern mit einem geschlossenen trapezförmigen Rahmen befinden sich zehn mit Silberdraht ummantelte Saiten. Diese sind parallel oder fächerartig gespannt. In biblischen Zeiten gab es auch Kinnors mit fünf, sieben, neun, zwölf oder gar 24 Saiten.

Wie wird der Kinnor gespielt?

Er besitzt einen sanften, harfenähnlichen Ton, kann gezupft, gestrichen, mit verschiedenen Materialien angeschlagen, akkordisch oder mit gebrochenen Akkorden gespielt werden. Der im Gottesdienst und bei freudigen weltlichen Anlässen eingesetzte Kinnor scheint bei der Begleitung des Psalmengesanges teils ohne Plektron, bei Tänzen auch teilweise mit Plektron gespielt worden zu sein.

Sein nicht dominanter Ton unterstützt die Sing- und Sprechstimme. Die Stimme kann sich so mühelos entfalten und mit Unterstützung des Kinnors vorher unbekannte Resonanzräume entdecken, was zu einer voll tönenden Stimme beiträgt.

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Kinnorancient“ von Aaron WaldenEigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Kinnor: Welche Arten gibt es?

Nach archäologischen Funden war im alten Israel zu Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. eine Leier im Gebrauch, die über einen rechteckigen Korpus mit symmetrisch abgehenden Jocharmen verfügte. Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr. erfreute sich eine Bauform großer Beliebtheit, deren sechs oder mehr parallele Saiten zwischen asymmetrischen Armen verliefen. Es ist jedoch noch nicht endgültig geklärt, ob es sich bei den Relikten um Kinnor oder andere Leiern handelt. Eine Darstellung aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. zeigt einen asymmetrischen Kinnor mit zwölf Saiten, dessen Korpus am Rand mit Perlen und in der Mitte mit einer Rosette verziert ist.

Der heutige Kinnor besitzt zehn Saiten und ist ein leicht zu spielendes Instrument, das auch derjenige benutzen kann, der in seinem Leben noch nie mit Musik zu tun gehabt hat.

Bei welchen Musikstilen wird der Kinnor eingesetzt?

Der Kinnor kam vor der Zeitenwende bei religiösen Zeremonien zum Einsatz. Er diente als Begleitung zu Psalmengesängen, aber auch zur musikalischen Untermalung von Tänzen. Der Kinnor besaß eine rituelle Funktion beim Tempeldienst und der Überführung der israelitischen Bundeslade mit den zehn Geboten. Er war in der jüdischen Musiktradition auch das Instrument der Leviten, die als offizielle Tempelmusiker fungierten.

Doch das Saiteninstrument wurde auch bei weltlichen Festen gespielt. So gilt der Kinnor bereits im Alten Testament und in den nachbiblischen Traditionen als das Symbol professioneller Musiker und Sängerpoeten, die mit dem Instrument auch bei Saufgelagen mit Freudenmädchen und magischen Ritualen auftraten.

Das Spiel mit dem Kinnor gilt als leicht zu erlernen. Daher kommt das Instrument auch heute noch zum Einsatz. Nicht nur in Israel, sondern auf der ganzen Welt. So ist bekannt, dass selbst alte Menschen, die über keinerlei Vorerfahrung mit einem Instrument verfügen, mit viel Freude das Kinnorspiel pflegen. Das ist besonders hilfreich in der Arbeit mit dementen Menschen, die sich über ein Instrument „Gehör verschaffen“ können, auch wenn dies auf verbalem Wege nicht mehr möglich ist. Der Klang des Kinnors ist sanft, er kann beruhigen, Aggression, Angst, Wut und Unruhe mildern und zu einem entspannteren Umgang im Zusammenleben führen.

Der Kinnor wird auf vielerlei Art verwandt: als Begleitinstrument für Lieder, zur Untermalung von Klanggeschichten, als Geräuschinstrument oder als Begleiter durch die Welt der Klänge.

Welche bekannten Hersteller gibt es?

Der Kinnor lässt sich in einem Instrumentenbauseminar selbst bauen. Mit einem sorgfältig vorbereiteten Bausatz lässt sich in rund sieben Stunden ein individuelles und wertvolles Instrument anfertigen. Zu den wenigen bekannten Herstellern fertiger Instrumente zählt die Klangwerkstatt Deutz. Sonst finden sich Kinnors etwa bei Jubilee Harps oder Carroll in den USA oder dem Early Music Shop ( EMS ) aus London.

Wiki Page: http://de.wikipedia.org/wiki/Kinnor

 


 

 

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